Der 12. Jahrgang war im Theater

Kerem Cetinkaya
Rezension: Der zerbrochene Krug – Deutsches Theater Berlin
Besuch am 16.12.2025
Ich habe mir das Theaterstück Der zerbrochene Krug unter der Regie von Anne Lenk
von Heinrich von Kleist im Deutschen Theater Berlin angesehen und bin zum
Entschluss gekommen, dass mir die Inszenierung insgesamt sehr gut gefallen hat. Das
Stück war nicht nur unterhaltsam, sondern auch spannend und überraschend aktuell.
Trotz seines Alters wirkte der Text durch das Schauspiel und den gezielten Einsatz
von Humor lebendig und gut verständlich.
Die Inszenierung zeigt Kleists Werk als Geschichte von Machtmissbrauch und
struktureller Ungerechtigkeit in einer patriarchal geprägten Gesellschaft. Spannend
war das Stück dabei weniger wegen der Auflösung am Ende, sondern vor allem
wegen der präzisen Umsetzung. Das Zusammenspiel des Ensembles, das Tempo und
der Rhythmus der Szenen wirkten sehr stimmig. Obwohl größtenteils der Originaltext
gesprochen wurde, klang die Sprache klar und natürlich.
Sehr interessant fand ich, dass der Gerichtsrat Walter von einer Frau gespielt wurde,
nämlich von Lorena Handschin. Sie wirkte ruhig, klug und entschlossen und stellte
einen starken Gegenpol zum Dorfrichter Adam dar. Dadurch wurde dessen
Machtmissbrauch besonders deutlich.
Der Dorfrichter Adam wurde von Ulrich Matthes gespielt und meiner Meinung nach
sehr überzeugend dargestellt. Er wirkte schmierig, arrogant und gleichzeitig ziemlich
dumm. Man hat ihm sofort abgekauft, dass er seine Macht missbraucht, gleichzeitig
sorgte seine Darstellung für viele humorvolle Momente.
Auch die weiteren Rollen waren glaubwürdig besetzt. Lisa Hrdina als Eve zeigte gut
die Verunsicherung ihrer Figur, während Tamer Tahan als Ruprecht sehr emotional
und impulsiv wirkte. Das Ensemble überzeugte insgesamt durch gutes
Zusammenspiel und ausdrucksstarkes Spiel.
Das schlichte Bühnenbild lenkte den Fokus auf die Figuren und ihre Beziehungen.
Machtverhältnisse und Spannungen wurden dadurch klar sichtbar, ohne überladen zu
wirken.
Insgesamt hat mir das Theaterstück sehr gut gefallen. Es war unterhaltsam, kritisch
und gut umgesetzt. Ein Theatererlebnis, das ich mir auf jeden Fall noch einmal
anschauen würde.